Die Forschungsabteilung

Im Jahr 2004 wurde an der medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen als Stiftungslehrstuhl der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung der Lehrstuhl für Naturheilkunde und Integrative Medizin etabliert. Im Mittelpunkt von Forschung und Lehre steht die Integrative Medizin – die Umsetzung erfahrungsbasierter Naturheilkunde in evidenzbasierte Medizin auf der Basis wissenschaftlicher Überprüfung. Lehrstuhlinhaber ist von Beginn an Professor Dr. med. Gustav J. Dobos, Direktor der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin an den KEM | Evang. Kliniken Essen-Mitte.
Die Forschungsabteilung der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin führt anwendungsorientierte Forschung zu integrativ- und komplementärmedizinischen Verfahren durch. Schwerpunkt der Abteilung ist die klinische Forschung zu Effektivität und Sicherheit nicht-pharmakologischer Verfahren bei internistischen und onkologischen Erkrankungen. Daneben stellen die Versorgungsforschung und die wissenschaftliche Begleitung der Leitlinien-Arbeit der Klinik weitere Schwerpunkte dar. Die Forschungsabteilung kooperiert eng mit nationalen und internationalen Universitäten, unter anderem der Charité Universitätsmedizin Berlin, der Harvard Medical School und der University of Oxford. Sie ist außerdem vertreten im Board of Directors der International Society for Complementary Medicine Research (ISCMR). Leiter der Forschungsabteilung ist Priv.-Doz. Dr. rer. medic. Holger Cramer.

Erforscht werden die klassischen westlichen Naturheilverfahren, die Mind-Body-Medizin / Ordnungstherapie sowie die Integration weiterer traditioneller Heilsysteme wie die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und die Traditionelle Indische Medizin (TIM). Die klinische Forschung findet in Kooperation mit der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin sowie mit der Ambulanz für Naturheilkunde, TCM und TIM an den KEM statt. Kooperationspartner im Bereich Integrativer Onkologie sind die Klinik für Senologie / Interdisziplinäres Brustzentrum sowie die Klinik für Gynäkologie & Gynäkologische Onkologie an den KEM.

Übersicht der aktuellen Studien

Entspannungsverfahren bei Spannungskopfschmerzen

Stress und Überbelastung stellen besondere Risikofaktoren für viele chronische Erkrankungen dar. Durch eine immer komplexer werdende Umwelt und eine steigende Anzahl von Herausforderungen und Anforderungen, leiden immer mehr Menschen unter den Folgen von Stress. Eine der häufigsten Folgen sind chronische Schmerzerkrankungen, wie beispielsweise verschiedene Arten von Kopfschmerzen. In der medizinischen Forschung gibt es gute Hinweise darauf, dass regelmäßige Bewegung und Entspannung dazu führt, dass sich die Häufigkeit der Schmerzattacken reduzieren lassen. Mittels eines 8-Wochen Entspannungsprogramms, welches sowohl Bewegung als auch Entspannung umfasst soll nun die Wirksamkeit speziell bei chronischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp untersucht werden.

Teilnahmebedingungen für unsere Studie:

  • Alter zwischen 18 und 65 Jahren
  • Episodische oder chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp
  • Physische und mentale Fähigkeit, leichte bis mittelschwere körperliche Aktivität durchzuführen
  • Zeitpensum, an mindestens 12 von insgesamt 16 (bei zwei wöchentlichen Terminen) bzw. an 6 von insgesamt 8 (bei einem wöchentlichen Termin) Kurseinheiten teilzunehmen.

Die Teilnahme am Entspannungskurs ist kostenlos.

 

Sollten Sie sich für eine Teilnahme interessieren oder wünschen Sie weitere Informationen, dann melden Sie sich bitte unter:

Tel.:     +49 201 174-13152 (Anrufbeantworter, wir rufen schnellstmöglich zurück)
Mobil: +49 174-800 8725
E-Mail: nh-forschung@kem-med.com

Weitere Informationen zur Forschungsabteilung

Übersicht der Forschungsgebiete

Der Schwerpunkt der Forschung liegt auf der Integration von Verfahren der klassischen Naturheilkunde wie auch anderer traditioneller Heilsysteme sowie der Mind-Body-Medizin in die medizinische Regelversorgung (Integrative Medizin). Themen sind unter anderem:

Das Grundprinzip der klassischen Naturheilkunde ist die Anregung der Selbstheilungskräfte (Selbstregulation) durch natürliche Heilmittel wie Sonne, Luft und Wasser, aber auch Heilpflanzen und gesunde Ernährung. In der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin werden naturheilkundlicher Therapien wie Schröpfen und Pflanzenheilkunde aber auch Selbsthilfestrategien wie Wickel, Auflagen und Massagen beforscht.

Die Ordnungstherapie ist ein strukturiertes Gesundheitstraining, das traditionelle Konzepte der „Lebensordnung“ modernisiert. Die Mind-Body-Medizin ergänzt sie um Aspekte der Meditation, Entspannung und kognitiven Therapie. Ein besonderer Schwerpunkt der Forschungsaktivitäten ist die Überprüfung der Wirksamkeit und Sicherheit von Yoga, Achtsamkeit und Meditation sowie multimodaler mind-body-medizinischer Programme.

Die Traditionelle Chinesische Medizin ist ein umfangreiches Heilsystem, von dem im Westen vor allem die Diagnostik und Akupunktur zur Anwendung kommen. Die Evidenz der Wirkung nimmt zu, ohne dass bisher ein Erklärungsmodell gefunden wurde. Die Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin war an den richtungsweisenden ART- und GERAC-Studien beteiligt, die zu einer teilweisen Übernahme der Akupunktur durch die gesetzlichen Krankenkassen geführt haben. Aktuell wird insbesondere die Wirksamkeit vereinfachter Akupunkturkonzepte wie der Ohrakupunktur erforscht, die eine noch breitere Anwendung des Verfahrens ermöglichen könnten.

Die Ayurvedische Medizin ist eines der ältesten Heilsysteme der Welt. Sie hat das Ziel, das Gleichgewicht von Körper und Seele herzustellen und legt großen Wert auf innere und äußere Reinigung. Sie wird zunehmend auch im Westen erforscht. Die Ayurvedische Medizin wird insbesondere in nationalen und internationalen Kooperationen mit Projektpartnern unter anderem an indischen Universitäten erforscht.

Zahlreiche nationale und internationale Erhebungen legen nahe, dass die hier dargestellten naturheilkundlichen Verfahren in der Bevölkerung umfassend nachgefragt und genutzt werden. Ein Forschungsschwerpunkt der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin beschäftigt sich daher mit der Frage, welche Bevölkerungsgruppen welche Verfahren besonders nutzen und mit welcher Absicht sie dies tun. Dadurch können Therapiekonzepte individuell an die Präferenzen der Patienten angepasst, aber auch mögliche Gefahrensituationen durch Wechsel- oder Nebenwirkungen frühzeitig abgeschätzt und gezielt abgeklärt werden.

Viele – insbesondere chronische – Erkrankungen werden durch das individuelle Erleben und Verhalten der Betroffenen mitbedingt, aufrechterhalten und/oder verschlimmert. So ist bekannt, dass viele sogenannte Zivilisationskrankheiten durch ein gesundes Bewegungs- und Essverhalten sowie Stressmanagement und gesunde Denkmuster gelindert und zum Teil sogar geheilt werden können. Die Gesundheitspsychologie erforscht diese Faktoren sowie die Voraussetzungen für Veränderungen in Denken und Verhalten und welche Barrieren diesen entgegenstehen.

Die Studienambulanz

In der Studienambulanz für Naturheilkunde unter Leitung von Herrn Prof. Dobos und stellvertretender Leitung von Herrn PD Dr. Cramer werden Patientinnen und Patienten im Rahmen klinischer Studien betreut. Hier stehen neue, für bestimmte Erkrankungen noch nicht evaluierte naturheilkundliche Medikamente hinsichtlich ihrer Verträglichkeit und Wirksamkeit auf dem Prüfstand. Naturheilkundliche Medikamente/ Methoden wissenschaftlich zu überprüfen zählt zu unseren vorrangigen Zielen.

Die Studien sollen den Nachweis erbringen, dass konventionelle, manchmal mit Nebenwirkungen behaftete Medikamente durch naturheilkundliche Medikamente/ Methoden ersetzt oder sinnvoll ergänzt werden können. Durch unsere Studientätigkeit wollen wir einen wesentlichen Beitrag leisten, Naturheilverfahren in unserem westlichen Gesundheitssystem weiter zu etablieren. Hierzu führen wir klinische Studien der Phase II – IV durch. Ohne klinische Studien ist medizinischer Fortschritt nicht möglich. Sie sind Voraussetzung für die Zulassung eines Medikamentes auf dem Arzneimittelmarkt. Das regelt das Arzneimittelgesetz (AMG). Bevor eine Studie startet, wurde diese bereits von Ärzten und Behörden kritisch geprüft und medizinisch wie ethisch für gut befunden.

Seit dem Jahr 2007 gibt es in den KEM eine eigenständige Studienambulanz für naturheilkundliche Verfahren und Phytotherapie. In dieser Zeit haben wir bereits zahlreiche Studien mit den unterschiedlichsten Indikationen mit großem Erfolg durchgeführt.

Probanden bietet die Teilnahme an einer klinischen Studie den Vorteil, einer neuen Therapiemöglichkeit. Die Teilnahme ist insbesondere für Patienten interessant, die auf zugelassene Therapien nicht ansprechen oder starke Nebenwirkungen haben. Durch eine Studientherapie besteht die Aussicht, dass Beschwerden/ Erkrankungen geheilt oder gelindert werden können.

Da es sich bei der Behandlung im Rahmen einer Studie um eine standarisierte Therapie handelt, wird der Proband nach einem festen Behandlungszeitplan therapiert, so dass der Verlauf der Behandlung im Vorfeld bereits genau geplant werden kann.

Patienten in klinischen Studien werden besonders umfassend, intensiv und kontinuierlich über Behandlungen und Alternativen informiert. Es wird Wert auf eine individuelle, ausführliche und über das Krankheitsbild hinausgehende Betreuung gelegt.

Nebenwirkungen und gesundheitliche Veränderungen können so schnell erkannt und im Anschluss an die Studie weiter behandelt werden. Alle Untersuchungen und die gesamte Behandlung im Rahmen einer klinischen Studie sind für den Teilnehmer sowie für die Krankenkasse kostenlos. Der Studienteilnehmer erhält so häufig eine Reihe von teuren, teils von der Krankenkasse nicht abgedeckten Vor- und Begleituntersuchungen.

In einigen Fällen wird eine Aufwandentschädigung (zum Beispiel Reisekosten) erstattet.

Patienten in klinischen Studien leisten einen wesentlichen Beitrag zum medizinischen Fortschritt. Sie können damit auch anderen Patienten helfen.

Die Studienambulanz der Naturheilkunde ist eine räumlich und personell eigenständige Abteilung. Sie verfügt über diverse Behandlungsräume, ein Büro, einen verschließbaren Lagerraum und verschließbare Lagerschränke für die Studienware. Es stehen diverse Kühlschränke (-20° / -80°C für die Proben-Asservation), (2° bis 8°C für die Lagerung der Prüfmedikamente) zur Verfügung. Ebenfalls besteht eine hausinterne Laboranbindung. Weiterhin steht ein Monitorarbeitsplatz mit Internetzugang zur Verfügung. Unsere Patienten erwartet ein separater Warte- / Aufenthaltsbereich.

Die Struktur der Forschungsabteilung und Kontaktmöglichkeiten

In der Studienambulanz erwartet sie ein qualifiziertes und nach GCP-ausgebildetes Fachpersonal. Die Mitarbeiter verfügen über eine studienspezifische Ausbildung und eine langjährige Studienerfahrung. Sie sind ausschließlich mit der Betreuung und Durchführung der klinischen Studien betraut.

Die Kontaktmöglichkeiten finden Sie unter „Kontakt und Informationen“.

Die Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin der Kliniken Essen-Mitte, Medizinische Fakultät der Universität Essen gründete im Jahr 2011 die Arbeitsgruppe „Naturheilkunde und Komplementärmedizin in medizinischen Leitlinien“. Seit Gründung der AG haben wir an wichtigen Leitlinien bezüglich internistischen Themen mitgearbeitet. So zum Beispiel national an 5 Nationalen VersorgungsLeitlinien (Diabetes, COPD, koronarer Herzkrankheit, Rückenschmerz und Asthma) und 25 S3-Leitlinien sowie international an der Europäische Leitlinie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.“